Hintergrundwissen: Sicherheitsbindungen

Leute kommen zu uns in den Shop mit seitenweise ausgedruckten Testberichten über diverse Ski, welche in den Focus Ihrer Kaufentscheidung gerückt sind, stellen unzählige Fragen zu Fahrverhalten, Flex und Einsatzgebiet und wollen diese bei uns direkt in der Halle gegeneinander probefahren. Es ist heutzutage, dank der zahlreichen Informationsmöglichkeiten, welche das Internet mit den Homepages und Communities die sich mit dem Thema Skifahren beschäftigen, bietet, möglich sich bestens mit einem Thema vertraut zu machen und sich so relativ rasch Fachwissen anzueignen. Es werden nun diverse Fragen zu Kern, Aufbau und Innenleben des Ski´s gestellt, aber die Zahl der Leute die sich nach der Sicherheitsbindung informiert, die geht gegen 0, denn “Bindung ist eh dabei oder?”. Und das zu unrecht!

Warum die Bindung so wichtig ist!

Klar, ausser den Experten wie Freerider, Freestyler und Rennfahrer, die Ihr Material bis auf das kleinste Detail genau abstimmen, muss sich im Grunde auch niemand groß Gedanken machen, wenn man sich einen Ski zulegen möchte, denn kaum ein Hersteller bietet noch einen Ski ohne Bindung an. Warum das so ist, liegt wohl zum einen daran dass die meisten Hersteller von Sicherheitsbindungen heute zu den Skifirmen gehören und dass der Skikauf dem Kunden so leicht wie möglich gemacht werden soll.

Die Entstehung der Sicherheitsbindung

Als Erfinder der modernen Sicherheitsbindung mitte der 60iger Jahre wird Georges Salomon, der französische Visionär, Urgestein des Sports und Gründer des gleichnahmigen Sportartikelunternehmens, betitelt. 1952 meldete allerdings der deutsche Hannes Marker aus Garmisch Partenkirchen erstmals das Patent an, nachdem er, aufgrund eines Sturzes mit Verletzungsfolge, die wohl erste Bindung entwickelte die den Skischuh auf dem Ski nur dann behält, wenn keine, dem Knochen gefährlich werdende seitliche Kraft, wirkt. Noch vor 20 Jahren war im Skisport vieles anders, stundenlanges Fachgesimple mit dem Händler, um die passendste Bindung zum Ski zu ermittlen, war keine Seltenheit. Hätte man damals schon Skiforen im Internet gehabt würde man nun wohl heute unzählige Beiträge und Disskusionen darüber nachlesen können.

Skibindungen heute

Wie eingangs erwähnt werden heute zahlreiche Skiier ausschliesslich im Set mit Bindung verkauft und so hat die Entwicklung dieses feinen Bindeglieds zwischen Fahrer und Ski an Interesse verloren. Einige Hersteller liefern heutzutage Ski aus, auf die nur noch eine kleine Anzahl an Bindungen, meist ausschliesslich vom gleichnahmigen Hersteller, passt, was den Bindungsmarkt stark einschränkt. Skibindungen unterliegen mittlerweile zahlreichen festgeschriebenen Normen um die Skifahrer vor der Gefahr möglicher Verletzungen durch ein Fehlverhalten der Skibindung einzugrenzen. Siehe hierzu auch http://www.sportech.com/D/Normen_D/Normen_Produkthaftung.html, dort sind einige der wichtigsten Normen und Ihre Bedeutungen erklärt. Somit ist nun festgeschrieben wann eine solche Bindung den Skischuh, bei fachgerchter Einstellung, freigeben sollte um Knochenbrüche oder andere Verletzungen zu minimieren. Mit dieser angeblichen Sicherheit, die aber auch nur bei ordentlicher Handhabung und regelkonformer Einstellung und Überprüfung gilt, ist die Relevanz des Themas Sicherheitsbindung in den Köpfen der Verbraucher stark rückläufig. Bei den meisten unserer Besucher ist ein ausführlicher Vortrag über die Notwendigkeit der Sicherheitseinstellung nötig, da sich mit diesem Thema nicht beschäftigt wird und ein Grundvertrauen, oder auch ein Nichtdarübernachdenken, zu Grunde liegt. Oftmals ist es die Bindung an der gespaart wird um einen noch günstigeren Setpreis zu erlangen.

Was macht die Sicherheitsbindung

Die Skibindung ist das Bindeglied zwischen Fahrer und Skisportgerät und ist für die Kraftübertragung zuständig. Die Sicherheitsbindung wurde entwickelt um das Verletzungsrisiko der Skifahrer zu senken. Der Ski sollte sich ursprünglich, beim Sturz und der Einwirkung von knochenverletzenden Kräften, vom Fuß des Fahrers trennen. Heutzutage sind Bindungen aber viel größeren Anforderungen unterlegen, sie müssen neben den Knochen vor allem die Bänder der Skifahrer schonen, Schläge dämpfen und auch bei niedrigen Kräften, wenn der Skifahrer in einer besonderen Stellung auf dem Ski steht auslösen. Die Bindung soll Damen ein besonders kräfteschonendes Skifahren ermöglichen und beim sportlichen Fahrern ein Flattern des Skis unterdrücken, ihn dadurch im vorderen und hinteren Bereich versteifen, gleichzeitig die Biegelinie aber beibehalten(siehe Abb.).

Skibindung Biegelinie

Skibindung Biegeline unterschiede Skibindungen

Wie funktioniert ein Bindungssysteme heute?

In den folgenden Punkten gehen wir auf die heute relevanten Punkte einer Skibindung ein.

Komplexe Technik

Hierzu haben wir im aktuellen SkiMagazin einen sehr passenden Beitrag gefunden: “Im Grunde sind es die Voderbacken und der Fersenautomat, die über die Federn den Schuh in der Bindung halten. Wird die auf die Federn wirkende Kraft zu groß, lassen die Backen den Schuh frei. Was so simpel klingt, ist in Wirklichkeit viel komplizierter. Schliesslich muss die Bindung erkennen, ob die wirkende Kraft tatsächlich Anlass für einen Ausstig ist oder der Schuh in die Ausgangssituation zurückgleiten soll. Gleichzeitig werden Schläge gedämpft, Zug- und Druckkräfte ausgegleichen und die Kraft vom Schuh auf den Ski übertragen.”

Hier seht Ihr eine sehr anschauliches Video der Duke Bindung von Marker, sie ist eine der bekanntesten und beliebtesten Bindungen auf dem Markt, wohl auch aufgrund Ihrer integrierten Gehfunktion um in den abseits der Lifte gelegenen Tiefschnee Hang zu gelangen.

Was stellt der Fachhändler ein?

Was nun der Fachhändler primär an der Bindung einstellt sind Länge und Z-Wert. Die Länge der Entfernung zwischen Vorderbacken und Fersenautomat wird an die Sohlenlänge des Skischuhs angepasst (steht meist auf der rechten oder linken Fersenseite des Skischuhs und wird in mm angegeben). Des weiteren wird nun der sogenannte Z-Wert der Bindung eingestellt, er stellt den Auslösewert der Bindung dar und wird entsprechend der Kompression der Federn die sich in Vorderbacken und Fersenautomat befinden justiert. “Er ist ein Maß für die Höhe der Belastbarkeit von Knochen, Bänder, Sehnen und Muskulatur des Skifahrers. (Je höher dieser Z-Wert eingestellt ist, desto fester ist der Schuh in der Bindung und desto später löst die Bindung aus.) Daraufhin wird der Ski mit Bindung auf der Einstellmaschine fixiert. Die, vom Skifahrer angegebenen Werte wie Gewicht, Größe, Fahrkönnen und Sohlenlänge, werden in die Maschine eingeben und der Z-Wert wird daraufhin errechnet. Dieser wird dann in die Maschine eingegeben und nun werden die verschiedenen Auslöseszenarien überprüft. Unter einer Krafteinwirkung von unten,links und rechts wird die Gefahrensituation simuliert und der Auslösemechanismus der Bindung auf seine Funktion hin untersucht.

Was versteht man nun unter Auslösesicherheit?

Die Auslösesicherheit ist ein Begriff der gerne verwendet wird, er bezieht sich auf die Reduzierung der Fehlauslösungen. Eine Bindung mit geringer Energieaufnahme löst, bei gleichem Z-Wert im Vergleich mit einer Bindung mit hoher Energieaufnahme deutlich früher und manchmal auch ungewollt bei schwachen Stößen auf den Ski aus. Gerne wird dies umgangen indem man beim Skikauf eine günstigere Bindung mit geringer Energieaufnahme kauft und einfach den Z-Wert vergrößert, was aber folgenschwere Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit haben kann.

Good vs. Bad?

Was ist nun der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Bindung und warum bekomme ich die eine zum Ski dazu geschenkt und für die andere muss ich mehrer 100 Euro investieren:

Preisunterschiede

Den Preisunterschied machen hier die Technologie die in der Bindung steckt und die Materialien die für die Herstellung verwendet wurden. Hochwertige Bindungen schützen den Fahrer zusätzlich vo gefährlichen Vorwärts- und Rückwärtsdrehstürzen. Ein Optimum an Reduktion der Fehlauslösungen, eine lange Haltbarkeit der verarbeitetetn Materialen durch geringe Angriffsfläche für Schmutz, Korrosion und Reibung zeichnet eine gute Bindung aus. Wie ein sehr hochwertiger Vorderbacken aussehen kann, der eben beschriebene Eigenschaften bewerkstelligt, zeigt das folgende Video:

Was nun aber vorhin erwähnte Experten wie Rennfahrer, Freerider und Freestyler von einer Bindung erwarten ist folgendes. Hier muss der einzustellende Z-Wert um ein vielfaches höher sein als beim “normalen” Skifahrer, da höhere Fahr- und Federkräfte, sowie Belastungen wirken. Die vorhin beschrieben Energieaufnahme wird bei hochwertigeren Bindungssystemen linear ansteigen und erfreut sich natürlich, aufgrund der schon erwähnten Vorteile, großer Beliebtheit. Zusätzliche Faktoren einer “guten” Bindung sind hohe und direkte Kraftübertragung sowie Bedienungskomfort.

Welche Bindung brauche ich denn nun eigentlich?

Das ist nun die Aufgabe des Fachhändlers, er kann aufgrund der Daten die Du Ihm angibst erkennen welcher Bindungstyp für Dich der richtige ist. Klar ist, dass der Anfänger eine ganz andere Bindung braucht als der Profi und auch dass beim Koloß mit 198 und 110 Kilo andere Kräfte auf die Bindung einwirken als bei der zierlichen Dame und somit auch hier unterschiedliche Systeme dringendst zu empfehlen sind. Was zu diesem Beispiel direkt zu erwähnen ist, die Bindung sollte beim Z-Wert noch mindestens 2 Zahlen Spiel haben! Auch sind die Einsatzgebiete der verschiedenen Bindungssysteme sehr unterschiedlich, so gibt es Tourenbindungen für die Leute die gerne den Berg selbst erklimmen, Freestyle Bindungen für den Einsatz in Park und Pipe, Freeride Bindungen für die fetten Tourns im Tiefschnee und Rennbindungen für alle die es ein wenig schneller und härter haben wollen.

Ihr seht selbst, es gibt zahreiche, nicht unerhebliche Unterschiede bei den Bindungssystemen, probiert doch einfach mal ein paar bei uns aus: Ihr könnt in unseren beiden Intersport Alpincenter Filialen in den Skihallen in Bottrop und Wittenburg verschiedene Systeme direkt gegeneinander Probe fahren!

Wichtiger Tipp zum Schluss!

Bitte lasst Eure Bindungssysteme regelmäßig beim Fachhändler checken, denn wer kann denn schon behaupten das Größe, Gewicht, Alter und Skikönnen das selbe ist wie bei der Einstellung des Ski´s vor 3 Jahren ;-) !?! Auch wirken sich Verschmutzung und Abnutzung der Bindungsteile negativ auf die Funktion der Bindung aus. ( Wir machen dieses Jahr spezielle Sicherheitstage an denen die Bindungseinstellung und -überprüfung gratis ist!) Eine Bindungseinstellung beim Fachhändler kostet meist so um die 10€, aber die sind sehr sehr gut investiert, denn was passieren kann wenn die Bindung mal nicht aufgeht oder sich ein Ski einfach bei voller Fahr vom Fuß trennt, brauchen wir nicht zu erwähnen…

Erschreckende Zahlen liefert abschliessend auch eine Studie des ÖSV (Österreichischer Skiverband) zur Bindungseinstellung von Skifahreren (http://www.oesv.at/breitensport/sicherheit/studien.html). Die relevantesten Ergebisse sind hier kurz zusammengefasst:

  • 52% weniger Verletzungen wie Brüche und Verstauchungen der unteren Extremität werden auf Entwicklungen im Skischuh-Bindungssytem zurückgeführt
  • 40% der Skibindungen sind nicht korrekt eingestellt!
  • Knapp 18% geben an, dass die Bindung hin und wieder unerwartet auslöst.

In diesem Sinne “Ski Heil”!

Euer Intersport Alpincenter Team

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Das oftmals unterschätzte Bindeglied Skibindung!, 5.0 out of 5 based on 5 ratings

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